In aqua veritas

Der Jahrgang 12 des GBE auf Romfahrt

Im Anfang geschah ein Wunder. 49 Schüler und 5 Lehrer erwarteten eigentlich einen strapaziösen Abend auf dem Flughafen Fiumicino. Sie waren alle gut gelaunt aus dem hohen Norden Germaniens herbeigeflogen worden - aber jetzt stand die Kofferausgabe auf dem Plan und da wusste man aus Erzählungen der Vorjahresfahrer, dass das Chaos unmittelbar bevorstand. Aber der wegen seines mangelhaften Service international heftig in die Kritik geratene Flughafen wies keine verwaisten Koffer mehr auf. Die Gepäckausgabe gestaltete sich schnörkellos, kein Koffer fehlte – ein italienisches Wunder hatte uns ereilt; was auch kein Wunder ist, denn wir waren doch schließlich in Rom, wo der Papst ein Deutscher ist.

Der Bus stand auch schon bereit und ein netter Fahrer fuhr uns ziemlich zügig in die Stadt – man darf dabei nicht unerwähnt lassen, dass ein italienischer Busfahrer sich nur auf der Überholspur so richtig heimisch fühlt.

Untergebracht in zwei Hotels im Zentrum ließen wir dann den Abend gemütlich ausklingen – ab dem nächsten Tag begann dann in zwei Gruppen und für viereinhalb Tage die fächerübergreifende Mission Bildung – pralles Programm bei durchweg gefühlten prallen 40 Grad (oder doch eher mehr?) und stets reichlich präsenter eigener Körperkühlung.

Das GBE ist eine Europaschule. Dieser Anspruch verpflichtet auch, sich mit den Grundlagen der europäischen Kultur nachhaltig vertraut zu machen und Außenstationen aufzusuchen.

Was die Römer als (europäisches) Weltreich über Jahrhunderte errichtet hatten, erstaunt uns immer noch – wir wollen als gute Europäer auch ein dauerhaftes Europa aufbauen. Da ist es dann hilfreich, wenn Schüler auf dem Forum Romanum nachdenklich in den Überresten einer Hochkultur ambulieren. Kann unserer Zeit das auch passieren? Woran scheiterten die Römer letztlich? Viele Brecht’sche Fragen, aber es wird auch klar, dass wir in machen Punkten direkte Nachkommen der Römer sind:
   

Die Engelsburg

Die Freizeitkultur (Caracalla-Thermen, Circus Maximus oder das Kolosseum) ist erstaunlich modern – Brot und Spiele gibt es auch für die aufgeklärten Demokraten des 21. Jahrhunderts. Großes Interesse seitens der Schüler und mitunter auch wieder Nachdenkliches: Werden wir auch in dieser Form bei Laune gehalten? Wagenrennen damals – Fußball heute - Bleibt der kritische Geist auf der Strecke? Nein, denn zumindest der VFL (Osnabrück) ist doch mehr als nur ein Verein, oder??

Jeder Schüler hält vor Ort ein kurzes Referat- das ist die Mindestanforderung an eine Studienfahrt. Die geplante Horizonterweiterung ist zuweilen gar nicht einfach zu leisten (Großstadtlärm!), aber jeder gibt sich Mühe und trägt damit zum Gelingen der Fahrt bei.

Imposant ist der Petersdom, imposant auch die religiöse Toleranz der Römer – beispielhaft für unser Zeitalter. Die Schüler können das gut nachvollziehen.

Wir sind auch in Ostia Antica gewesen, der alten Hafenstadt Roms, wo teilweise gut erhaltene Gebäude, sogar Straßenzüge zu sehen sind. Diese Römer waren tatsächlich Menschen aus Fleisch und Blut- hier kommt man ihnen näher. Erinnerungen an Bilder aus diversen Schulbüchern werden wach– jetzt ist man live dabei. Ach ja, die Römer hatten schon Toiletten (Latrinen), als die vordeutschen Germanen noch auf den Bäumen hockten.

Beeindruckend auch die Kunstschätze, die die Stadt bietet (z.B. in der Galleria Borghese oder inden Vatikanischen Museen). Beeindruckend auch, wenn die Kollegin aus dem Kunstbereich eine Führung durch die Galleria Borghese macht und dabei die Skulpturen von Bernini erklärt.

Jeder Tag schenkt uns neue Eindrücke - gespannte Ruhe beim Abstieg in die Kallixtus-Katakomben. Das frühe Christentum wird plastisch – später erfahren wir vor der traumhaften Kulisse der Via Appia etwas über Goethe in Italien.

Freizeit auf der Studienfahrt? – Hauptsächlich Spanische Treppe, da treffen sie sich mit anderen Schülern. Auch Shoppen gehen.

Und was nehmen sie an Eindrücken mit, die Europabauer von morgen? – Raus aus der Schule, in einer Großstadt sein – und Überraschung: diese römische Kultur habe doch enorm viel mit unserem Leben zu tun. Noch mal hin – natürlich.

Aber da ist auch Unverständnis, dass die Römer unbedingt im Wein die Wahrheit suchten, denn, und das ist wahrlich wahr, die Hitze sei wahrhaft wahnsinnig und ohne die Trinkwasser-Brunnen (die Aquädukte lassen grüßen) könnte man überhaupt kein Erkundung durchführen - ergo müsse man das Wasser ehren, denn was nütze aller Bildungsdurst, wenn man innerlich austrockne. Das ist wieder unleugbar wahr, also liegt die wahre Erkenntnis doch wohl im Wasser (in aqua veritas). Na ja, damit nähern wir uns aber schon Vorstellungen des griechischen Dichters Pindar und des Philosophen Thales (ebenfalls Grieche). Kann auch heißen - Vor und zurück nach Europa – diesmal zur Akropolis von Athen.

PS: Auf dem Rückflug gab es kein Wunder. Die Sonne bzw. der Sonnengott (Sol) weigerte sich heiße Strahlen über Bayerns Grenzen hinaus nordwärts zu platzieren. Da half dann auch kein Papst mehr.

Michael Worgul