Solly Gonor: Das andere Leben

Vortrag und Lesung mit Herrn Jakob Odinius am GBE

„Bildet euch eine eigene Meinung; hinterfragt kritisch, aber toleriert auch andere Meinungen. Nur so könnt Ihr Eure Freiheit und Demokratie schützen!“, Solly Gonor

Am Freitag, dem 27.06.2014, berichtete Herr Odinius, ein ehemaliger Stabsoffizier der Bundeswehr, vormals verantwortlich für die Erinnerungsarbeit im ehemaligen Bunker „WeinbergII“ in Landsberg, in einem beeindruckenden Vortrag über die Kindheit und Jugend des Holocaust-Überlebenden Solly Gonor im Nationalsozialismus; ergänzend dazu las Herr Odinius verschiedene Passagen aus der Biographie von Solly Gonor „Das andere Leben“ .
Der tiefe Eindruck des Vortrags von Herrn Odinius auf die Schülerinnen und Schüler (Jahrgänge 9 bis 11) spiegelt sich in beeindruckender Weise in den folgenden Schülerbeiträgen wider:

1) Das andere Leben

Am 27.6.2014 bekamen wir Besuch von Jakob Odinius, der über das Leben in Litauen, als KZ Häftling und vor allem über das Leben seines Freundes Solly Ganor zu Hitlers Zeiten berichtete. Zwei Begriffe begleiteten den Vortrag bzw. die Lesung aus Solly Ganors Buch „Das Andere Leben“, nämlich Menschenwürde und Freundschaft.

Die Menschenwürde wurde im Dritten Reich missachtet, vor allem die der Juden und der Menschen die anders waren. Die Freundschaft, da diese Solly Ganor das Leben rettete.

Die Schüler der Jahrgänge 9, 10 und 11 reagierten geschockt auf die Berichte, Bilder und Filme die zwischendurch via Computerpräsentation gezeigt wurden.

Zusammenfassend war es ein sehr interessanter Vortrag.

von Morin Görner


2) Meine Gedanken zu dem Vortrag von Herrn Odinius über das Leben von Solly Gonor und über sein Buch: Das andere Leben

Am Anfang war ich etwas skeptisch, denn ich wusste nicht, was mich erwarten wird bzw. was ich zu erwarten hatte. Die einzige Information, die uns zuteil wurde, war, dass uns der Mann etwas über Hitler und die Erlebnisse der Bürger damals erzählen wollte.

Und so kam es dann, dass meine Erwartungen gleich „null“ waren, schließlich hatten wir in Geschichte schon sehr viel über derlei Themen geredet und ich dachte, es würde nicht mehr viel Neues zu berichten geben.

Doch dann fing Herr Odinius an, uns in das Thema einzuführen und er erläuterte, wie es überhaupt dazu kam, dass gerade er uns davon etwas vortragen wollte.

Schließlich begann er mit einer unbeschreiblichen Autorität, einem besonderen Gefühl und einer engen Verbindung zu dem Thema zu uns zu sprechen, zu erklären, zu beschreiben und aufzuzeigen, wie man sich das damals überhaupt vorzustellen hatte und wie unglaublich es ist, dass wenige Menschen das Grauen überlebten.

Seine Grundbausteine in dem Vortrag waren Menschenwürde und Freundschaft; er begann mit der Menschenwürde.

Nach seiner Frage, wo wir den Begriff Menschenwürde denn eigentlich vorfinden und die dazugehörige Antwort „ im Grundgesetz“, schilderte er uns, wie Sollys Leben von einem erstmals ganz normalem Leben in die pure Hölle umschlug.

Angefangen hatte alles in Deutschland in Heidekrug bei Königsberg, dort lebte Solly mit seiner Familie glücklich und hatte seinen Nachbarn Hansi Müller als besten Freund, welcher im Laufe seines Lebens nochmal eine wichtige Rolle spielen sollte. Das Symbol ihrer Freundschaft wurde das nagelneue Schaukelpferd, welches Solly mit gerade mal vier Jahren an Hansi verschenkt hatte, als er (Solly) und dessen Familie aufgrund des zunehmenden Drucks durch das aufstrebende NS-Regime bedrängt wurden und sie daher umziehen mussten.

Dieses Geschenk festigte die Freundschaft der beiden, obwohl Solly mit seiner Familie nach Kaunas in Litauen ziehen und Hansi inklusive Schaukelpferd zurück lassen musste.

Nach und nach wurde es auch in Litauen durch den Zweiten Weltkrieg immer schwieriger, als Mensch jüdischen Glaubens entspannt und ohne Sorgen zu leben, da die deutsche Macht in Polen sowie schließlich auch in Litauen einfiel.

Der Vorort, in dem Solly bis dahin lebte, wurde zu einem Ghetto umfunktioniert und alle Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs, z.B Juden und andere „unerwünschte“ Bewohner, wurden dorthin gebracht. So kam es dann, dass letztendlich 28.000 Menschen in dem sogenannten „Ghetto“ „eingesperrt“ waren

Nach langer Zeit voller weiterer Schrecken, so zum Beispiel durch die zur Vernichtung selektierten Personen oder durch die „Big Week“, bei der Deutschland bombardiert wurde, kamen Solly und seine Familie erst nach Danzig, wo seine Mutter und seine Schwester von seinem Vater und ihm getrennt wurden, und Vater und Sohn schließlich knapp 200 Kilometer entfernt ins Voralpenland nach Dachau in einem Konzentrationslager interniert wurden.

Dort mussten sein Vater und er in einer Zementfirma arbeiten und hatten, auch wenn sich das nun komisch anhören mag, damit noch Glück.

Um die „Arbeiter“ vor den anrückenden Alliierten im April 1945 zu verstecken, wurden sie nach langer Zeit harter Arbeit auf den Todesmarsch geschickt, d.h. die Gefangenen wurden zu Tausenden in die Alpen getrieben. Dabei konnten allerdings nur wenige der Gefangenen lebend von den Amerikanern gerettet werden, da die meisten vorher umgekommen waren. Nach der Befreiung durch die Amerikaner wanderte Solly nach Israel aus und schrieb sein Buch „Das andere Leben“ über seine Kindheit und Jugend im Holocaust, allerdings erst im Jahre 1995. Im Rahmen dieser Arbeit lernten sich dann Herr Odinius und Solly Gonor kennen; beide verbindet seitdem eine enge Freundschaft.

Durch einen Filmausschnitt aus der Serie „Band of Brothers“ und einige Originalfotos und -videos hat uns Herr Odinius seine Erzählungen anschaulich verdeutlicht und uns die grausamen Umstände des Lebens von Solly vor Augen geführt.

Doch das Berührendste am gesamten Vortrag war der Vortragende Herr Odinius selbst; denn als er nun seine Abschlussworte an uns richtete, dass Hitler uns nichts als Schamgefühl und Schande hinterlassen hatte, wodurch es den Deutschen kaum noch möglich ist, stolz zu sagen: „Ich bin Deutscher“, ohne zwei Sekunden später einen doofen Spruch über Hitler zu kassieren ( oder dass wir, wie im Mai 2014 in Holland während des Schüleraustausches geschehen, direkt mit einem sogenannten „Hitler-Gruß“ begrüßt wurden) und Herr Odinius uns für unsere Konzentration und unser Schweigen während des Vortrages dankte, flossen bei ihm die Tränen, was mich unweigerlich fast selbst zu Tränen rührte.

Ich habe bis dato noch nie so einen bewegenden Vortrag erlebt, denn normalerweise, auch wenn die Zuhörer der Vortrag berührt, so ist doch meistens die Person, die alles erzählt, fast schon teilnahmslos oder ungeduldig, und das war hier ganz und gar nicht der Fall.

Somit möchte ich der Schule danken, dass sie uns dieses Erlebnis ermöglichte, und natürlich ganz besonders Herrn Odinius, dass er uns nicht nur etwas erzählt, sondern uns wichtige Dinge des Lebens und aus der Vergangenheit gelehrt hat, und dass er uns nicht wie „kleine Kinder“, sondern wie gleichrangige Personen behandelt hat.

Danke!

Emely Steffen, Bad Essen, Juni 2014

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