Experte für Migration am GBE

Experte für Migration am GBE

Prof. Dr. Jochen Oltmer referierte zum Thema Migration und stellte sich den Fragen der Schüler

Am Dienstag, dem 10.07.2012, konnten die Schüler der Hochniveau-Geschichtskurse der Q1 Einblicke in die Arbeit des Migrationsexperten Prof. Oltmer von der Universität Osnabrück gewinnen.

Prof. Oltmer, tätig im IMIS, dem Institut für Migration und interkulturelle Studien, an der Universität Osnabrück, stellte in einem für die Zuhörer interessant und nachvollziehbar gestalteten Vortrag Kernelemente seiner wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Migration vor.

Von seiner Prämisse ausgehend, Migration sei „der Normalfall menschlicher Existenz“, erläuterte Prof Oltmer wesentliche Aspekte seiner Arbeit: So seien die Netzwerke, sei die Kommunikation zwischen „Wandernden“ und den Menschen in den Herkunftsländern von immenser Bedeutung. Als Beispiel hierfür nannte er die Etablierung von Migranten über ihre Berufe, die mittels verwandtschaftlicher Beziehungen und der damit einhergehenden Migration ganze Monopole für sich gewinnen konnten, so z.B. der Fish and Chips- Verkauf in Irland, der (noch heute !) in der Hand von Nachfahren ehemalige Auswanderer des beginnenden 19.Jahrhunderts ist. Alle Inhaber dieser Läden kamen aus Italien, genauer sogar noch aus einem Dorf – Casalatico! Diese Menschen konnten sich erfolgreich in einer ökonomischen Nische etablieren. Dieses anschauliche Beispiel, dem im Vortrag noch weitere folgten, machte deutlich, wie groß die Bedeutung der Kommunikation für Migration ist.

Einen weiteren Schwerpunkt legte Prof.Oltmer auf den Zusammenhang, Migration als Massenphänomen zu erkennen. Es gehe nicht um kleine Anzahlen, sondern um Millionen Menschen, die sich in anderen Ländern bzw. Gebieten niederließen. Als Beispiel nannte er hier die Auswanderungswellen aus Europa vor dem Ersten Weltkrieg nach Nord- und Südamerika, nach Südafrika, nach Australien, Neuseeland. Interessant werde es hier für den Forscher, da diese „Europäisierung“  natürlich weitreichende Auswirkungen in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und auch politischer Hinsicht gehabt habe, strukturelle Gefüge verschiebe, Entwicklungen beeinflusse. Aber auch hier gelte es stets zu bedenken, dass Migration und die damit verbundene Integration ein langer Prozess sei, alltagsbedingte Integration sei eben ein „stetiger Aushandlungsprozess im Alltag“. Diesen Gedankengang  konnte der Wissenschaftler mit beeindruckenden Beispielen untermauern, nämlich dem langsamen Wandel des zunächst negativ behafteten Deutschenbild in den USA um 1860/70, das sich 20 Jahre später zu einem sehr positives Bild der deutsche Auswanderer in den USA wandelte.

Auch im anschließenden Gespräch, bei dem die Schüler viele Fragen zum Thema formulierten und stets klare und verständliche Antworten bekamen, zeigte sich die hochaktuelle Bedeutung der Migrationsforschung, gerade im Zusammenhang mit der Thematik der Integration. Das Interesse war diesbezüglich ausgesprochen groß; viele Fragen wurden hierzu von den Schülern aufgeworfen.

Mit Hilfe seines „Credos“ „Integration ist ein kleinschrittiges Alltagsgeschäft“ verdeutlichte Prof. Oltmer den Zuhörern, dass zumeist der Fokus der Öffentlichkeit auf Einzelphänomene gerichtet sei, so z.B. die Frage nach der Integrationswilligkeit bzw. –unwilligkeit türkischstämmiger Menschen. Diese Einzelphänomene, oftmals medial vermittelt, verzerrten den Blick auf die tatsächlichen Wanderungsbewegungen und ihre Entwicklung.

Auch die Funktionalität der historischen Migrationsforschung für die Lösung aktueller Probleme  erläuterte er dahingehend, dass der Historiker Geschichte beobachtet und diese Beobachtungen durchaus problemlösenden Charakter haben können. So fungiert Prof. Oltmer als gefragter Experte auf bundes- wie auch auf kommunaler Ebene, um die heute aktuellen Probleme in ihren Dimensionen zu erfassen und Problemlösungsstrategien zu entwickeln.

Jedem Zuhörer war zum Schluss klar: Migration ist ein spannendes, hochaktuelles Thema, zu dessen Verständnis  die Geschichtswissenschaft  von großem Nutzen ist.

Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass es möglich war, von der Arbeit eines Experten zu hören, anstatt immer nur darüber zu lesen. Vielen Dank!

Thekla Seiters

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