Zweites internationales Projekttreffen in Reggio, Italien

Am Sonntag, den 03.11.2019 war es soweit: Wir brachen mit dem Zug um 08:44 Uhr von Osnabrück nach Köln auf, um dort den Flug um 16:25 nach Bologna zu nehmen.
Alles verlief fehlerlos, der Zug war pünktlich, wir kamen sicher am Flughafen Köln (Bonn) an und konnten schnell und ohne Probleme einchecken. Nach etwas Wartezeit am Gate und schließlich einem reibungslosen Flug mit einer leicht holprigen Landung, erreichten wir endlich um 17:55 den Flughafen in Bologna. Von dort ging es um 20:40 mit dem Bus weiter zu unserem eigentlichen Ziel: Reggio Emilia.
Endlich nach acht Monaten des Arbeitens und Wartens bis hin zu diesem Moment, würden wir nun unsere im März in Sapes neu gewonnen Freunde wiedersehen.
Und so wurden wir wie in Reggio Emilia von den Italiener*innen sehr herzlich und mit vielen Umarmungen begrüßt. Trotz großer Müdigkeit, wirkte das lang erwartete Wiedersehen wie eine Belohnung für die in das Projekt investierte Zeit.
Anschließend fuhren wir sofort mit unseren Austauschpartner*innen in die Familien, jedoch ohne die Griechen, die erst am folgenden Tag dazukamen.
Am Montag also ging es für uns wieder los. Um 8:00 traf sich die noch nicht vollständige Gruppe in der Schule, um dort an den jeweiligen Projekten über Migration in der Gegenwart zu arbeiten und die vorbereiteten Filme zu vereinen.
Nach getaner Arbeit stand eine Wanderung in der Pietra di Bismantova auf der Agenda, allerdings fiel diese wegen starken Regenfällen an den Tagen zuvor buchstäblich ins Wasser. Stattdessen fuhren wir gegen 12:00 Uhr mit dem Bus nach Parma. Von dem schlechten Wetter merkten wir jedoch nichts. Unter strahlend blauem Himmel traten wir so einen Spaziergang durch die Stadt an und wurden mit den dortigen Sehenswürdigkeiten vertraut gemacht.
Als wir wieder zurück nach Reggio Emilia kehrten, brachen wir auch schon wieder nach einem Abendessen in den Familien zum Busbahnhof, an dem wir am Tag zuvor angekommen waren, auf, um dort die Griechen mit der selbigen Aufregung und Freude zu empfangen.
So ging der erste Tag in Reggio Emilia mit der vollkommenen Vereinigung der Gruppe zu Ende.
Und somit konnte am Dienstag die eigentliche, öffentliche Begrüßungszeremonie in der Schule stattfinden. Nach einem herzlichen Willkommensgruß der Schulleiterin, einer Vorstellung italienischer Sitten und einem kurzen, interaktiven Quizz über Italien, fanden wir uns sogleich im Computerraum der Schule wieder, um erneut an unseren Filmprojekten zu arbeiten.
Später erwartete uns ein weiterer Willkommensgruß im Rathaus Reggio Emilias, an dem Ort, an dem die italienische Flagge ins Leben gerufen wurde. Anschließend begaben wir uns auf eine Stadtführung durch die alte, aber trotzdem oder gerade deswegen sehr ästhetische Innenstadt, geleitet von den italienischen Schüler*innen.
Abends aßen wir in den Gastfamilien zu Abend und verbrachten darauf einen gemeinsamen Abend mit allen Schüler*innen in einer Bar.
Am Mittwoch stand wohl das Highlight der Reise auf dem Plan: Venedig.
Aufgrund der ordentlichen Entfernung der Stadt, traten wir die dreistündige Fahrt schon um 7:00 Uhr morgens an. Kurz vor Venedig hielten wir schließlich an einem Busbahnhof, von dort ging es mit dem Boot weiter direkt zum Piazza San Marco, wo wir eine Reiseführerin trafen, die uns zuerst die Basilica di San Marco zeigte und anschließend uns durch die Stadt führte und uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Ponte di Rialto zeigte. So lernten wir nicht nur die Touristenreichen Regionen und Plätze Venedigs, sondern auch verlassene Gassen und pittoreske Szenerien kennen. Außerdem verfügte die Reiseführerin ein großes Repertoire an sowohl historischem Wissen als auch Insider-Wissen, das sie mit uns teilte. Sie erzählte uns besonders von der Wichtigkeit Venedigs in der Vergangenheit als Dreh- und Angelpunkt zwischen Ost und West und dem dadurch erlangtem Reichtum an Geld und Kulturschätzen, der sich besonders in der Architektur und den prunkvollen Bauten wiederspiegelt. Vor dem Untergang der Großmachtstellung der Republik Venedig war die Stadt unabhängig von Italien. Durch den betriebenen Handel mit Konstantinopel und dem Nahen Osten erlangte die Republik große Reichtümer und byzantinischen Einfluss. Dies ist besonders in den Bauten zu erkennen, die eher dem orientalischen als dem italienischen Baustil ähneln. Auch der Markusdom spiegelt den byzantinischen Einfluss in der eher orthodoxen Optik wider. Die religiöse und ethnische Diversität verdankt viel dem geld- und machthungrigen Eliten, die in der Vergangenheit jede Religion erlaubten, allein um die Vormachtstellung beizubehalten. In seinen Hochzeiten war Venedig eine von Kaufleuten und reichen Adligen dicht besiedelte Stadt, deren Häuser ausschließlich bei Boot zugänglich waren, heute ist gerade dies ein Grund für den enormen Wegzug und den demographischen Wandel. Während Venedig früher voller Leben und Handel war, lebt es heute allein vom Tourismus. Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus alten Menschen, da Venedig eine der teuersten Städte ist, was, wie bereits erwähnt, der schlechten Zugänglichkeit zu verschulden ist. Allerdings gibt dieses alte Ambiente einem nur noch mehr die Illusion, beim Betreten der Stadt in die Vergangenheit zu reisen, man fühlt sich ganz als ein Teil dieses einzigartigen, wunderschönen Stück Kulturguts und ist bezaubert von der prunkvollen Fülle Venedigs.
Nach Beendigung der Tour, hatten wir noch Zeit selbst uns ein Bild von der einmaligen Schönheit der Stadt Venedig zu machen und streunten so in Kleingruppen durch die Stadt.
So war der Abschied von diesem besonderen Ort nur noch schwerer, als wir die Stadt am Nachmittag verlassen mussten und schließlich endete auch dieser Tag viel zu schnell.
Am Donnerstag durften wir endlich etwas länger schlafen, denn der Großteil der Arbeit war bereits getan. Wir trafen uns um 8:30 Uhr in der Schule und fuhren um 11:00 Uhr mit dem Bus weiter nach Bologna. Dort angekommen bemerkten wir schnell, dass es auch Bologna nicht an Schönheit und Ästhetik fehlt. Die italienischen Schüler*innen zeigten uns auch hier wieder die Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie den Piazza del Nettuno, die Basilica di San Petronio, die Geschlechtertürme Garisenda und Asinelli und besonders den Palazzo dell’Archiginnasio, der im Jahre 1563 zum ersten festen Sitz der Universität Bologna wurde, die schon seit dem 11. Jahrhundert existierte und somit als älteste Universität Europas gilt. Besonders beeindruckten dort die prunkvolle Inneneinrichtung und der Anatomiesaal, in dem mitunter die ersten Menschen seziert wurden. Somit diente dieser Ort als einer der Wegbereiter der heutigen Medizin und ist deswegen ein Kulturgut von gravierender Wichtigkeit. Heute beherbergt der Palazzo dell’Archiginnasio die Stadtbibliothek Bolognas.
Erneut erhielten wir nach der Tour wieder Zeit zum Erkunden der Stadt. Letztendlich verließen wir auch Bologna wieder gegen Abend.
Mit einem gemeinsamen Abendessen, dem Präsentieren der vollendeten Videos in der Schule und einem abschließenden Zusammensitzen in einer Bar endete dann auch der letzte Tag in Reggio Emilia. Am nächsten Morgen passte sich das Wetter der Stimmung an. Wir verließen Reggio Emilia um 7:30 Uhr mit den griechischen Schüler*innen per Bus, nachdem wir uns von den italienischen Familien und Austauschschüler*innen verabschiedet mussten und aus den mittlerweile fast schon familiären Verhältnissen gerissen wurden.
Angekommen am Flughafen in Bologna mussten wir uns auch von der griechischen Gruppe verabschieden. Darauf ging es für uns noch einmal in die Innenstadt von Bologna um uns dort die Zeit zu vertreiben und zusammen nochmal abschließend zu Mittag zu essen.
Um 16:20 Uhr ging unser Flug dann wieder zum Flughafen Köln (Bonn) nach Deutschland zurück. Von dort nahmen wir den ICE zurück nach Osnabrück, um 23:00 Uhr in Osnabrück wieder empfangen zu werden.
Insgesamt hatten wir eine wunderschöne und größtenteils sonnige Zeit in Italien. Wir konnten viel über die italienische Kultur lernen und haben zudem eine aufregende und unvergessliche Zeit mit unseren italienischen und griechischen Freunden verbringen können. Nun werden wir auf das nächste und letzte gemeinsame Treffen im März in Deutschland hinarbeiten und wir alle können es sicher kaum erwarten die italienischen und griechischen Gruppen hier in Bad Essen begrüßen zu dürfen.

Vanessa Kottmann für die AG

 

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