Auf der Suche nach der alltäglichen Zeit

Die Besinnungstage in Börstel

Zeit zum Leben – zum Leben Zeit: Was da wohl auf uns 17 Schülerinnen, die wir uns für die Meditationstage in Börstel angemeldet hatten, zukommen würde? Zunächst kam uns dieses Thema ziemlich abstrakt vor. Doch immerhin lag jetzt eine ganz besondere Zeit vor uns: drei spannende Tage im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster und heutigen Stift Börstel, in denen wir hofften, den Geheimnissen der Zeit auf die Spur zu kommen und herauszufinden, was sie für uns bedeutet.

Tja, die Zeit. Kaum angekommen, war es erst einmal an der Zeit für uns, die Zimmer in den zwei Gästehäusern, dem „Forellenhaus“ und dem „Backhaus“, zu beziehen und den Essraum sowie den Speicher, unser künftiges Hauptquartier für diverse kreative Auseinandersetzungen mit unserem Thema, für die kommenden Tage herzurichten.

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ (Sprüche 3,1). So war es auch in Börstel. Mahl- und Schlafzeiten unterbrachen Phasen, in denen eifrig diskutiert, kreativ gestaltet oder einfach nur gespielt wurde. Auch hatte jeder Momente ganz für sich allein, besonders bei den „Schweigezeiten“ und der allabendlichen Andacht im Kreuzgang, der, nur von Teelichtern erhellt, eine ganz besondere Atmosphäre entstehen ließ. Da waren die eisigen Januartemperaturen nur noch Nebensache.

Spaziergänge durch die sehr ruhige und idyllische Waldlandschaft gehörten genauso dazu wie die inzwischen legendären Abende im Backhaus: Man schmetterte Lagerfeuerlieder, spielte witzige Spiele und trank nicht nur Wasser oder O-Saft. Kurz, wir hatten sehr viel Spaß und vergaßen schnell, dass wir uns teilweise erst seit ein paar Tagen kannten. Es entstand ein richtiges „Börstel-Gemeinschaftsgefühl“.

Wir behaupten nicht, in diesen drei Tagen Weisheit erlangt zu haben oder spirituell erleuchtet worden zu sein - zumindest sprechen wir da wohl für die meisten von uns. Doch darum geht es bei den Meditationstagen auch nicht. Viel wichtiger ist es, sich auf die drei Tage einzulassen und vielleicht etwas aus dieser Zeit für sein tägliches Leben mitzunehmen. Was genau, das bleibt jedem selbst überlassen – an Denkanstößen hierfür mangelt es in Börstel jedoch nie.

An was es uns hier zu Hause mangelt, das merken wir jetzt beim Verfassen dieses Textes. Wir vermissen die schöne Zeit in Börstel und beneiden alle, die nächstes Jahr die tolle Chance haben, an den Besinnungstagen teilzunehmen. Übrigens: auch wenn wir eine reine Mädchengruppe waren, sind Jungs immer und ausdrücklich erwünscht!

Ines Molitor & Helen Maßmann