10.05.2011

Der Rotwein ist manchmal Weißwein

Viele interessante Vorträge auf dem vierten Akademieabend

Bei dem auf Renzulli zurückgehenden didaktischen Konzept für Begabtenförderung geht es darum, mit einer flexiblen Unterrichtsorganisation besonders begabten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, zwischen dem normalen Unterricht und selbst gewählter Projektarbeit zu wählen. Mit dem Drehtürmodell erhalten so sehr intelligente, kreative und leistungsfähige Kinder und Jugendliche der Jahrgänge 6 bis 10 die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten gemäß individuellen Interessen und in individuellem Lerntempo zu entwickeln (Die genaue Verfahrensweise wurde in der letzten Ausgabe des „GBE intern“ dargelegt).

Die Organisation und Betreuung erfolgt durch die Tutoren Frau Dr. Gumbiowski und Herrn Stefanidis, die die auf Zeugniskonferenzen vorgeschlagenen Schülerinnen und Schüler zur selbstständigen Arbeit anleiten und diese auf universitäre Aufgaben vorbereiten.

Der vierte Akademieabend, an dem 17 Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse aus mehreren Monaten Projektarbeit präsentierten belegte eindrucksvoll, zu welch erstaunlichen Leistungen diese fähig sind, wenn sie über längere Zeit selbstständig aus dem Unterricht hervorgehende oder diese begleitende Projekte bearbeiten und die Lernergebnisse öffentlich präsentieren dürfen.

Eltern, Lehrer und Mitschüler erfuhren an diesem Abend von den Jungwissenschaftlern, wie sich Lebewesen der Tiefsee an ihre extremen Lebensbedingungen anpassen (Viktoria Skudlik), was ein Déjà-vu-Erlebnis ist, welche Formen es gibt, wie es abläuft, ob es bei jungen Menschen häufiger auftritt als bei älteren. Sogar über verschiedene Entstehungstheorien wurde fachkundig referiert (Mariel und Ysabel Schwietzer). Larissa Drüge und Alexander Schölzel informierten über Sole - gestern und heute. Alles über 60 Jahre Porsche wusste Leon Grothmann, während Jamie Mähler sich detailliert mit dem Thema Sprengstoff auseinander setzte. Steven Pietz präsentierte in souveräner Manier das Projekt „Sehen lernen“.

Saskia Tschee hielt einen sehr informativen und kritischen Vortrag über die modernen Neonazis, darüber, wie und mit welchen Marken sie sich kleiden, welche Musikgruppen mit welchem rechtsextremen und neonazistischen Gedankengut sie bevorzugen. Aber auch die Möglichkeiten, Widerstand gegen Rechtsradikale zu leisten, wurden aufgezeigt. Saskia erinnerte z.B. daran, dass Bad Essener Bürgerinnen und Bürger am 10.12.2005 mit Unterstützung der Polizei ein Rechtsrock-Konzert im Parkhotel Bad Essen verhinderten.

Warum macht Schokolade glücklich? Dieser Frage ging Ulrike Tiedemann humorvoll und mit viel Sachkenntnis nach. Christiane Schnieder erläuterte dem Auditorium Baudenkmäler aus unserer Region und gab damit eine Einführung in die Baustilkunde von der Varusschlacht bis heute.

Wie unsere Sinne ausgetrickst werden, zeigte und erklärte Kirsten Sehlmeyer. Dass z.B. das Auge in der Lage ist, den Geschmackssinn in die Irre zu leiten, zeigte Kirsten an folgendem Beispiel: In drei Gläser wird Wein geschenkt: in das eine Glas Weißwein pur, in ein zweites Weißwein mit roter Lebensmittelfarbe und in das dritte Rotwein pur. Ergebnis: Die meisten Menschen, die von den drei Gläsern probierten, definierten den gefärbten Weißwein als Rotwein. Die Erklärung für diese Täuschung liegt darin, so Kirsten, dass die Zunge nur für das Grobe zuständig ist und der Geschmack im Gehirn entsteht.

Sofia Ring und Jana Wegel hatten sich mit der Schlafforschung und den Arten und Funktionen von Träumen auseinander gesetzt. Wer unter den Zuhörerinnen und Zuhörern hatte je davon gehört, dass die Struktur des Traums der eines klassischen Dramas ähnelt mit Exposition, Höhepunkt und Lösung. Die beiden Schlafforscherinnen scheuten sich nicht vor provokanten Thesen, um das Publikum zu erheitern: Zu wenig Schlaf macht dumm! Sie wussten diese These fundiert zu erläutern.

Historisch weit zurückliegende Ereignisse wurden genauso zum Mittelpunkt von Vorträgen (Anthony Pietz mit Mythos und Realität von Troja) wie Heimatkundliches, Aktuelles und Praktisches (Anna Katharina Schölzel mit Impressionen der Landesgartenschau 2010 in Bad Essen und Theresa Seeger mit Spargelanbau und –ernte). Allen Vorträgen und Präsentationen gemeinsam war der souveräne Umgang mit den neuen technischen Medien, auch wenn Jobst Burmeyer, Karin Gumbiowski und Chrisowalantis Stefanidis schon im Vorfeld alle Hände voll zu tun hatten, Hard– und Software für den sehr informativen und unterhaltsamen Abend in funktionierende Stellung zu bringen.

Wann hat man schon in der Schule Gelegenheit, so viel Interessantes an einem einzigen Abend von Jungforschern und –forscherinnen geboten zu bekommen!

Heinz Abram

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